Wenn Warren Buffett das „Orakel“ ist, dann war André Kostolany der „Grandseigneur“ der Börse. Er war kein Mann der Tabellenkalkulation, sondern ein Beobachter der menschlichen Natur. Für Kostolany war die Börse zu 90 % Psychologie – eine Ansicht, die wir auf InsideTrading.de voll und ganz teilen.
In diesem Guide tauchen wir tief in die Welt von Kostolany ein. Wir analysieren seine 11 prägnantesten Zitate, erklären sein berühmtes „Ei“ und zeigen dir, wie du seine Weisheiten für dein modernes Trading nutzt.
Wer war André Kostolany? Der Spekulant aus Leidenschaft
André Kostolany (1906–1999) war ein ungarisch-amerikanischer Börsenexperte, der fast das gesamte 20. Jahrhundert an den Finanzmärkten miterlebte. Er überlebte Crashs, Weltkriege und Währungsreformen. Kostolany bezeichnete sich selbst stolz als Spekulant – ein Begriff, den er als Ehrentitel für jemanden verstand, der mit Verstand und Weitblick agiert.
Sein Markenzeichen war die Erkenntnis, dass die Kurse kurzfristig nicht von Fakten, sondern von den Zittrigen und den Hartgesottenen gemacht werden. Sein Vermächtnis ist eine Schule des Denkens, die heute wichtiger ist denn je.
Die 11 wichtigsten André Kostolany Zitate im Deep-Dive
1. „Börsenerfolg ist eine Kunst und keine Wissenschaft.“
Kostolany warnte davor, die Börse als rein mathematisches Modell zu sehen. Wer nur nach Formeln sucht, wird von der Irrationalität der Märkte überrascht.
- Die Lektion: Sei flexibel. Ein starrer Algorithmus kann an der menschlichen Psyche scheitern.
- Die Trading-Realität: Trading erfordert Intuition und Erfahrungswerte. Nutze technische Analyse als Kompass, aber bleibe wachsam für die Stimmung der Marktteilnehmer.
2. „Einer Straßenbahn und einer Aktie darf man niemals nachlaufen. Nur Geduld: Die nächste kommt bestimmt.“
Das wohl wichtigste Zitat gegen das gefährliche FOMO-Syndrom (Fear of missing out).
- Die Lektion: Verpasste Chancen sind Teil des Geschäfts. Wer einem Trend hinterherrennt, kauft oft am Top.
- Die Trading-Realität: Wenn der Kurs ohne dich explodiert ist, lass ihn ziehen. Warte auf den nächsten Rücksetzer oder das nächste Setup. Der Markt bietet jeden Tag neue Chancen.
3. „An der Börse sind 2 mal 2 niemals 4, sondern 5 minus 1.“
Hiermit beschreibt er die Umwege der Börse. Das Ergebnis (4) kommt zwar oft zustande, aber der Weg dorthin ist schmerzhaft und voller Korrekturen.
- Die Lektion: Hab Geduld und starke Nerven. Der Markt nimmt selten den direkten Weg.
- Die Trading-Realität: Auch bei einer korrekten Analyse musst du Drawdowns (das „Minus 1“) aushalten können, ohne vorzeitig in Panik die Position zu schließen.
4. „Wer viel Geld hat, kann spekulieren. Wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren. Wer gar kein Geld hat, muss spekulieren.“
Ein humorvoller, aber ernster Blick auf das Risiko.
- Die Lektion: Ohne Kapital ist man gezwungen, Risiken einzugehen, um voranzukommen – aber das Risiko muss kalkuliert sein.
- Die Trading-Realität: Spekulation erfordert freien Kopf. Wenn du Geld tradest, das du für die Miete brauchst, wirst du emotional scheitern. Sorge für eine solide Basis.
5. „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere 20 Jahre nicht an.“
Sein Plädoyer für das langfristige Investieren in Qualitätswerte.
- Die Lektion: Kurzfristiges Rauschen im Markt sollte dich nicht aus der Ruhe bringen.
- Die Trading-Realität: Auch als Swing-Trader gilt: Gib deinem Trade Raum zum Atmen. Wer jede Minute auf den 1-Minuten-Chart starrt, begeht Fehler aus Nervosität.
6. „Geld ist der Sauerstoff der Börse.“
Ohne Liquidität können die Kurse nicht steigen, egal wie gut die Nachrichten sind.
- Die Lektion: Achte auf die Zentralbankpolitik und die Geldmenge im System.
- Die Trading-Realität: Achte auf das Volumen. Ein Ausbruch ohne Volumen ist oft eine Falle. Geldfluss ist die Bestätigung für jeden Trend.
7. „Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien als Idioten gibt oder mehr Idioten als Aktien.“
Kostolany in seiner direktesten Form: Es geht rein um Angebot und Nachfrage, getrieben durch Psychologie.
- Die Lektion: Wenn die breite, uninformierte Masse kauft, ist das Ende meist nah.
- Die Trading-Realität: Sei vorsichtig, wenn die Euphorie in den sozialen Medien überkocht. Wenn jeder „Idiot“ investiert ist, gibt es niemanden mehr, der den Preis weiter nach oben treiben kann.
8. „Man darf niemals einem Trend folgen, den man nicht versteht.“
- Die Lektion: Blindes Vertrauen in „Tipps“ führt ins Verderben.
- Die Trading-Realität: Entwickle dein eigenes System. Wenn du nicht erklären kannst, warum du diesen Trade eingegangen bist, hast du keine Kontrolle über das Risiko.
9. „An der Börse ist alles möglich, auch das Gegenteil.“
Ein Mahnmal für die Demut vor dem Markt.
- Die Lektion: Rechne immer mit dem Unerwarteten. Überzeugung darf niemals in Arroganz umschlagen.
- Die Trading-Realität: Deshalb ist der Stop-Loss dein wichtigster Freund. Der Markt hat immer recht, auch wenn deine Analyse logischer war.
10. „Gewinne an der Börse sind Schmerzensgeld. Erst kommt der Schmerz, dann das Geld.“
- Die Lektion: Erfolg erfordert das Aushalten von Unsicherheit und Verlustphasen.
- Die Trading-Realität: Jeder Profi-Trader hat Verlustphasen. Der Profit ist die Belohnung für die Disziplin, die du in diesen schwierigen Zeiten bewiesen hast.
11. „Ein Börsianer muss phantasievoll und zugleich geduldig sein.“
- Die Lektion: Du musst dir vorstellen können, wohin die Reise geht, aber du musst warten können, bis der Markt dir recht gibt.
- Die Trading-Realität: Erstelle Szenarien (Was wäre wenn?). Handle dann planvoll und warte auf die Bestätigung durch den Preis.
Die Fundamente: Das Kostolany-Ei erklärt
Eines seiner wichtigsten Konzepte für Trader ist das Kostolany-Ei. Er unterteilt den Marktzyklus in drei Phasen:
- Korrekturphase: Die Kurse sind am Boden, niemand will Aktien. Die „Hartgesottenen“ kaufen langsam ein.
- Anpassungsphase: Die Kurse steigen moderat mit den Nachrichten.
- Übertreibungsphase: Die Kurse explodieren, die „Zittrigen“ (die breite Masse) stürzen sich in den Markt.
Die Lektion für dich: Kaufe in der Übertreibungsphase niemals nach oben. Bereite dich in der Korrekturphase auf den Einstieg vor.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zu André Kostolany
Was war Kostolanys größte Strategie?
Seine Hauptstrategie war das antizyklische Handeln. Er suchte nach Panikverkäufen, um günstig einzusteigen, und verkaufte, wenn die Euphorie ihren Höhepunkt erreichte.
Was ist der Unterschied zwischen den „Zittrigen“ und den „Hartgesottenen“?
Die Zittrigen handeln emotional, haben oft Schulden für ihre Aktien aufgenommen und verkaufen beim kleinsten Kursrückgang. Die Hartgesottenen haben Geduld, Kapital und starke Nerven – sie dominieren den Markt langfristig.
Hat Kostolany Daytrading betrieben?
Nein, Kostolany war ein Verfechter der mittelfristigen Spekulation. Er hielt nichts von hektischem Hin- und Hergetrade innerhalb von Minuten, da er glaubte, dass man so nur die Banken (Gebühren) reich macht.
Welches Buch von Kostolany ist das beste?
Sein Klassiker „Die Kunst, über Geld nachzudenken“ gilt als Pflichtlektüre für jeden, der die Psychologie der Märkte verstehen will.
Bonus-Sektion: Kostolanys Mindset für moderne Trader
Kostolany lehrte uns, dass man an der Börse eine eigene Meinung braucht. Wer nur auf Nachrichten hört, ist immer einen Schritt zu spät. Für moderne Trader bedeutet das: Schalte den Lärm aus. Nutze deine Analyse und vertraue deinem Prozess. Ein Spekulant ist ein Denker, kein Nachplapperer.
Fazit: Werde zum Regisseur deines Erfolgs
André Kostolany sah die Börse als Theaterstück. Wenn du die Rollen der Teilnehmer (Zittrige vs. Hartgesottene) verstehst, kannst du dich entsprechend positionieren. Erfolg kommt nicht durch die beste Grafikkarte, sondern durch die beste Selbstbeherrschung.
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