Du öffnest dein Trading-Dashboard, checkst nebenbei eine Finanz-App und wirfst einen Blick auf den Ticker im Fernsehen – und überall steht ein anderer DAX-Preis? Willkommen in der Realität der Märkte. Was für Anfänger wie ein technischer Fehler aussieht, ist für Profis Alltag. Aber wenn du nicht weißt, welchen Kurs du gerade handelst, spielst du mit gezinkten Karten.
In diesem Artikel räumen wir mit dem Chaos auf. Ich erkläre dir den Unterschied zwischen Kassamarkt, Future und Indikation, damit du genau weißt, wo der DAX wirklich steht.
1. Der „echte“ DAX: Der Kassamarkt (XETRA)
Wenn die Leute vom „DAX“ sprechen, meinen sie meist den Referenzmarkt der Deutschen Börse: XETRA.
- Was das ist: Hier werden die 40 größten deutschen Unternehmen tatsächlich gehandelt. Der Kurs wird aus den echten Transaktionen berechnet.
- Das Problem für Trader: Dieser Markt hat Öffnungszeiten. Von 09:00 bis 17:30 Uhr MEZ wird hier der Takt angegeben. Davor und danach? Totenstille im Kassa-DAX.
- Wichtiger Unterschied: Der DAX, den wir alle kennen, ist ein Performanceindex. Das bedeutet, Dividenden werden rechnerisch reinvestiert. Das unterscheidet ihn massiv vom S&P 500 oder dem EuroStoxx 50, die oft als reine Preisindizes dargestellt werden.
2. Der DAX-Future: Die Wette auf morgen
Der FDAX ist das Instrument der Institutionellen. Er wird an der Terminbörse EUREX gehandelt.
- Was das ist: Ein Terminkontrakt. Du kaufst nicht die Aktie, sondern schließt eine Wette auf den Stand des DAX zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft ab.
- Warum der Kurs abweicht: Der Future handelt fast rund um die Uhr (02:15 bis 22:00 Uhr). Da er die Erwartung der Zukunft widerspiegelt, weicht er oft ein paar Punkte vom aktuellen Kassa-Kurs ab. Je näher der Verfallstermin rückt, desto mehr gleichen sich beide Kurse an.
3. Die DAX-Indikationen: Die Welt der Broker
Das ist der Punkt, an dem die meiste Verwirrung entsteht. Wenn du bei einem CFD-Broker handelst, siehst du oft Kurse wie den „Germany 40“.
- Was das ist: Das ist kein offizieller Börsenkurs, sondern eine Schätzung (Indikation) deines Brokers.
- Warum sie das machen: Broker wollen dir den Handel auch um 08:00 Uhr morgens oder 21:00 Uhr abends ermöglichen, wenn XETRA geschlossen hat. Sie berechnen ihren Kurs dann meist aus einer Mischung aus dem DAX-Future und der Bewegung der US-Märkte (wie dem Dow Jones).
- Der Haken: Jeder Broker kocht sein eigenes Süppchen. Deshalb siehst du bei Broker A einen Stand von 15.100 und bei Broker B 15.102.
Preisindex vs. Performanceindex: Der kleine, feine Unterschied
Das ist echtes Insider-Wissen, das viele Trader ignorieren:
- Performanceindex (Standard-DAX): Dividenden fließen in den Kurs ein. Der Index steigt also „künstlich“, wenn Firmen Gewinne ausschütten.
- Preisindex: Hier werden nur die Kursveränderungen gemessen – wie bei den meisten US-Indizes. Würden wir den DAX als Preisindex betrachten, stünde er deutlich tiefer. Vergleiche also niemals Äpfel mit Birnen, wenn du internationale Märkte analysierst.
Warum gibt es diese Kursunterschiede überhaupt?
Es läuft am Ende immer auf zwei Dinge hinaus: Liquidität und Datenkosten.
- Lizenzen: Echte Realtime-Kurse von der Frankfurter Börse kosten Geld. Viele kostenlose Apps zeigen dir daher nur verzögerte Kurse oder eben die „Gratis-Indikation“ eines Brokers.
- Außerbörslicher Handel: Banken stellen eigene Kurse, um ihren Kunden den Handel mit Zertifikaten und Optionsscheinen auch dann zu ermöglichen, wenn die Hauptbörse schläft.
Mein Fazit für dein Trading
Welchen Kurs solltest du also nutzen?
- Für die Analyse und dein Setup ist der XETRA-DAX (09:00 – 17:30 Uhr) das Maß aller Dinge. Hier fließt das meiste Volumen.
- Wenn du vor- oder nachbörslich handelst, musst du dich an der Indikation deines Brokers orientieren, aber behalte immer den DAX-Future im Augenblick – er ist der Taktgeber für die Profis.
Lass dich nicht von ein paar Punkten Differenz nervös machen. Wichtig ist, dass du verstehst, warum sie da sind, damit du nicht auf scheinbare Ausbrüche reinfällst, die nur in der Indikation deines Brokers existieren.
Willst du lernen, wie du diese Kursstellungen nutzt, um bessere Einstiege zu finden? Dann schau dir meinen Traden lernen Guide an, wo wir tief in die Marktmechanik eintauchen.