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Jesse Livermore Zitate: Die 11 Lehren des Vaters des Daytradings

Erik Freutel, Wirtschaftsmathematiker & Trader seit 2012

Zuletzt überprüft am 6. Februar 2026

Es gibt Namen an der Börse, die verblassen mit der Zeit. Und dann gibt es Jesse Livermore. Er war der erste echte „Star-Trader“ der Geschichte. Livermore handelte nicht auf Basis von Bilanzen oder Dividenden – er handelte auf Basis von Preisbewegung und Marktpsychologie.

Obwohl er bereits im frühen 20. Jahrhundert aktiv war, sind seine Regeln heute im Zeitalter von Hochfrequenzhandel und Kryptowährungen aktueller denn je. Auf InsideTrading.de analysieren wir das Leben des „Boy Plunger“ und zeigen dir, wie seine 11 wichtigsten Zitate dein Trading auf ein professionelles Level heben.

Die Biografie von Jesse Livermore: Ein Leben zwischen Millionen und Ruin

Jesse Lauriston Livermore wurde 1877 in Massachusetts geboren. Seine Karriere begann mit 14 Jahren als „Quotation Boy“ in einem Maklerbüro, wo er die Kurse auf die Kreidetafeln schrieb. Dabei bemerkte er etwas, das sein Leben verändern sollte: Kurse bewegen sich nicht zufällig, sondern in Mustern.

Der Aufstieg des „Boy Plunger“

Livermore begann in sogenannten „Bucket Shops“ (Wettbüros auf Aktienkurse) zu handeln. Er war so erfolgreich, dass er in ganz Boston Hausverbot erhielt. Mit 21 Jahren zog er mit 2.500 Dollar nach New York.

Seinen größten Ruhm erlangte er während des Börsen-Crashs von 1907 und der Großen Depression 1929. Während die Weltwirtschaft kollabierte, verdiente Livermore durch massives Leerverkaufen (Short-Selling) ein Vermögen. Nach dem Crash von 1929 besaß er über 100 Millionen Dollar – in heutiger Kaufkraft wären das mehrere Milliarden.

Der tragische Fall

Livermores Leben war eine Achterbahnfahrt. Er war berüchtigt dafür, sein gesamtes Vermögen mehrmals zu verlieren und wieder aufzubauen. Er war ein einsamer Wolf; er traute niemandem und handelte strikt nach seinen eigenen Regeln. Doch der psychische Druck des Marktes und persönliche Tragödien forderten ihren Tribut. 1940 nahm er sich in New York das Leben. Er hinterließ ein Erbe an Trading-Weisheiten, die bis heute die Grundlage für jeden Trendfolger und Daytrader bilden.

Die 11 wichtigsten Jesse Livermore Zitate im Deep-Dive

1. „An der Börse gibt es nichts Neues. Was heute passiert, ist schon früher passiert und wird wieder passieren.“

Livermore erkannte, dass sich die Technik ändert, die menschliche Natur aber gleich bleibt. Angst und Gier treiben die Kurse heute genauso wie vor 100 Jahren.

  • Die Lektion: Geschichte wiederholt sich im Chart. Lerne Chartmuster (Patterns), denn sie sind der Ausdruck menschlicher Emotionen.
  • Die Trading-Realität: Ob Dotcom-Blase, Finanzkrise 2008 oder der Krypto-Hype – die Zyklen verlaufen immer nach dem gleichen Schema. Wer die Vergangenheit studiert, erkennt die Vorboten der Zukunft.

2. „Das Geld wird durch das Warten verdient, nicht durch das Handeln.“

Dies ist vielleicht sein berühmtestes Zitat. Er nannte es „Sitting Tight“.

  • Die Lektion: Die großen Profite liegen in den großen Trends, nicht im hektischen Hin- und Her-Geklicke.
  • Die Trading-Realität: Viele Trader schließen ihre Positionen zu früh, sobald sie ein bisschen im Plus sind. Livermore lehrte uns: Wenn der Trend intakt ist, bleib sitzen. Die Zeit arbeitet für dich.

3. „Kaufen Sie in einem steigenden Markt. Verkaufen Sie in einem fallenden Markt.“

Klingt simpel? Die meisten Privatanleger machen genau das Gegenteil: Sie kaufen, wenn es billig ist (ins fallende Messer greifen).

  • Die Lektion: Folge dem Trend (Trend Following). Der Markt hat immer recht.
  • Die Trading-Realität: Versuche nicht schlauer zu sein als der Markt. Wenn der Chart nach oben rechts zeigt, suchst du nur nach Long-Einstiegen. Widerstand ist zwecklos.

4. „Die Märkte sind niemals falsch – Meinungen dagegen oft.“

Livermore hatte keine Meinung dazu, wo der Kurs stehen sollte. Er achtete nur darauf, wo er tatsächlich stand.

  • Die Lektion: Akzeptiere die Realität des Preises. Deine Analyse ist wertlos, wenn der Markt sie nicht bestätigt.
  • Die Trading-Realität: „Aber die Aktie ist doch fundamental unterbewertet!“ – Das ist das Todesurteil für viele Konten. Wenn der Markt fällt, fällt er. Diskutiere nicht mit dem Bildschirm.

5. „Spekulation ist eine harte und anstrengende Arbeit. Ein Spekulant muss jeden Tag arbeiten, sonst wird er bald kein Spekulant mehr sein.“

  • Die Lektion: Trading ist kein „schnelles Geld“, sondern ein Full-Time-Job der Analyse und Selbstreflexion.
  • Die Trading-Realität: Wer sein Trading-Journal nicht pflegt und seine Setups nicht täglich prüft, wird vom Markt aussortiert. Beständigkeit ist der Schlüssel.

6. „Ein Trader muss an sich selbst und sein Urteil glauben, wenn er in diesem Spiel überleben will.“

  • Die Lektion: Vertraue deinem System. Wenn du jedes Mal zögerst, wenn ein Signal kommt, hast du keine Chance.
  • Die Trading-Realität: Die Angst vor dem Verlust lähmt viele. Aber ein Trader ohne Selbstvertrauen ist wie ein Chirurg mit zitternden Händen. Vertrauen kommt durch Backtesting und Erfahrung.

7. „Es gibt den Narren, der glaubt, er müsse immer traden. Der erfahrene Trader wartet auf den Moment, in dem der Markt ihm ein klares Signal gibt.“

  • Die Lektion: Selektivität. Du wirst nicht für die Anzahl deiner Trades bezahlt, sondern für deren Qualität.
  • Die Trading-Realität: „Overtrading“ ist der größte Feind der Performance. Es gibt Tage, an denen das Beste, was du tun kannst, ist, die Finger von der Tastatur zu lassen.

8. „Verluste zu begrenzen ist das Wichtigste im gesamten Trading.“

Livermore war einer der Ersten, der das Konzept des Stop-Loss radikal anwandte.

  • Die Lektion: Deine erste Pflicht ist der Kapitalschutz. Wenn ein Trade nicht funktioniert, steig aus. Sofort.
  • Die Trading-Realität: Hoffe niemals, dass ein Kurs dreht. Hoffnung ist keine Strategie. Ein kleiner Verlust ist eine Betriebsausgabe; ein großer Verlust ist eine Katastrophe.

9. „Man sollte niemals eine Position verbilligen (Average Down).“

Wenn du im Minus bist und nachkaufst, um deinen Durchschnittspreis zu senken, begehst du laut Livermore eine Todsünde.

  • Die Lektion: Wirf gutem Geld kein schlechtes hinterher.
  • Die Trading-Realität: Wenn du nachkaufst, während der Trade gegen dich läuft, verdoppelst du dein Risiko in einem bereits bewiesenen Fehler. Profis stocken nur Gewinner auf.

10. „Die größten Verluste entstehen durch den Versuch, den Markt zu überlisten.“

  • Die Lektion: Antizipiere nicht, was der Markt tun könnte, sondern reagiere auf das, was er tut.
  • Die Trading-Realität: Viele Trader versuchen, das „Top“ oder den „Boden“ exakt zu treffen. Livermore wartete auf die Bestätigung (Pivot Points).

11. „Ich habe nie viel Geld mit meinem Kopf verdient. Es war immer mein Hintern.“

Ein humorvoller Hinweis auf die Wichtigkeit des Sitzfleisches.

  • Die Lektion: Wer keine Geduld hat, die großen Bewegungen auszusitzen, wird niemals reich.
  • Die Trading-Realität: Die Gier nach schnellen Gewinnen verhindert das Entstehen von Millionenvermögen. Das große Geld liegt in der Trendfolge über Wochen und Monate.

Die Livermore-Strategie: Schlüsselpunkte für moderne Trader

Jesse Livermore entwickelte Konzepte, die wir heute in jeder modernen Trading-Software finden.

Der Pivot-Punkt

Livermore suchte nach spezifischen Preismarken, an denen sich der Trend beschleunigt oder dreht. Er kaufte erst, wenn der Kurs ein neues Hoch mit Volumen bestätigte.

Das Prinzip der „Starken Sektoren“

Er handelte nie isolierte Aktien. Er schaute immer, ob die gesamte Branche (Sektor) sich bewegte. Wenn die „Leading Stocks“ eines Sektors fielen, wusste er, dass der gesamte Markt in Gefahr war.

Das „Pyramidisieren“

Statt alles auf einmal zu riskieren, kaufte Livermore eine kleine Testposition. Erst wenn diese im Plus war, kaufte er mehr. Er „pyramidisierte“ sich in den Gewinn hinein.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Jesse Livermore

Wie viel Geld hat Jesse Livermore im Jahr 1929 verdient?

Nach dem großen Crash von 1929 belief sich sein Profit auf etwa 100 Millionen Dollar. In einer Zeit, in der ein durchschnittliches Haus ein paar tausend Dollar kostete, war dies eine unvorstellbare Summe.

Warum hat Livermore sein Vermögen mehrmals verloren?

Trotz seiner brillanten Regeln kämpfte Livermore mit emotionaler Disziplin und dem „Gambler-Instinkt“. Er neigte dazu, in Phasen der Euphorie seine eigenen Regeln des Risikomanagements zu brechen. Das zeigt: Selbst das beste System schützt nicht vor menschlichen Schwächen.

Was ist das Buch „Das Spiel der Spiele“?

Es ist die fiktionalisierte Biografie von Livermore, geschrieben von Edwin Lefèvre. Es gilt als das beste Trading-Buch aller Zeiten, weil es die Psychologie des Marktes so tiefgreifend beschreibt wie kein anderes Werk.

Was können Krypto-Trader von Livermore lernen?

Kryptomärkte sind extrem volatil und werden stark von Emotionen getrieben – genau wie die unregulierten Märkte zu Livermores Zeiten. Seine Regeln zur Trendfolge und zum Kapitalschutz sind für den Krypto-Handel überlebenswichtig.


Bonus-Sektion: Das Livermore-Mindset – Der einsame Wolf

Livermore arbeitete allein. Er glaubte, dass Tipps von anderen das eigene Urteil vernebeln. Für moderne Trader auf InsideTrading.de bedeutet das: Höre nicht auf die „Trading-Signale“ in anonymen Telegram-Gruppen. Entwickle deine eigene Analyse. Sei bereit, allein gegen die Masse zu stehen, wenn dein System es dir sagt.


Fazit: Die zeitlose Kunst der Spekulation

Jesse Livermore war kein Heiliger, aber er war ein Genie des Preises. Seine Geschichte lehrt uns, dass Erfolg an der Börse möglich ist, aber einen hohen Preis an Disziplin und mentaler Stärke fordert. Seine Zitate sind keine bloßen Sprüche, sondern mit Millionen Dollar (und Tränen) bezahlte Lektionen.

Möchtest du lernen, wie man Preisbewegungen liest und Trends erkennt, wie es Livermore tat? Dann starte deine fundierte Ausbildung in unserem Traden lernen Guide.

Erik Freutel

Mein Name ist Erik Freutel, Gründer von InsideTrading.de. Hier schreibe ich als Börsenbegeisterter über meine Erfahrungen als Trader, Investor und Wirtschaftsmathematiker.

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